Nachdem Marihuana irgendwie legalisiert wurde, bin ich ein paar Jahre später auch beim Thema gestrandet. Vor der Legalisierung war ich bei Cannabis immer so ein bisschen zwiegespalten. Wie jetzt legalisiert wurde, finde ich total assi. Aber hey, es ist, wie es ist.

Jedenfalls habe ich gedacht, mal probieren, selbst Cannabis zu ziehen und hab mich in den Weiten des WWW informiert. Augenblicklich bin ich völlig dem Konsumrausch erlegen. Wenn man schon denkt, man ist mit allen Wassern gewaschen…
Auf die Idee mit dem Anbau bin ich eigentlich nur gekommen, weil ich einen Kaktus in ein Nordzimmer holen wollte, wo es nur wenig Licht hat. Auf der Suche danach, welches Licht für den großen, grünen Kaktus passend wäre, kam ich auf so eine Lampe für Cannabis-Anbau und dachte, dann jibbet jetzt auch noch Hanfblumen im Büro. Und falls das funktioniert… Naja, was man eben so denkt und macht. Mittlerweile ist der Kaktus wieder an altem Ort und es geht nur noch um Hanf.

Außerdem hab ich das im Umbau befindliche Zimmer gleich noch für ein sehr amüsantes Aktshooting missbraucht. Alles ohne Kiffen, ganz seriös.
Tatsächlich wollte ich mich auch ganz seriös von einen Growshop beraten lassen und habe dann dort sage und schreibe 450€+ für meine Grundausstattung auf den Tisch gelegt. Später kamen nochmal 150 – 200€ dazu (z.B. ’ne kleine Osmose-Umkehranlage, Töpfe, usf.). Für das Geld hätte ich auch andere Leute anbaun lassen können und wäre bei meinem homöopathischen Konsum bis an mein Lebensende gut mit feinstem Dope versorgt gewesen. Naja, das würde ich heute also, nach 4 Wochen Lehrzeit, nicht noch einmal auf diese Art tun. Aber hey, es ist, wie es ist…
Dazu kommen auch noch laufende Kosten und nicht einmal ein Growzelt ist dabei… Die Blümchen sollten ja im Zimmer stehen und schön aussehen und schön blühen und duften. Das wird wohl ebenso nix. Wie es in ein paar Wochen hier aussieht, muss sich erst noch zeigen.

Aber ich hab meine ersten Gehversuche gemacht, denn ein paar Samen hatte ich direkt mitbestellt. Gekeimt wurden:
Critical (Autoflower – 3 Samen / 2 davon nicht durchgekriegt)
- Autoflowering, feminisiert
- 60 % Indica / 30 % Sativa / 10 % Ruderalis
- THC-Gehalt: ca. 15 %
- Wachstums- + Blütezeit: ca. 56–63 Tage
- Aroma: nussig, süß, marokkanisches Haschisch
- Wirkung: entspannend, mild psychoaktiv
- Geeignet für Anfänger
Blue Dream (Autoflower – 1 Samen)
- Autoflowering, feminisiert
- 75 % Sativa / 25 % Indica
- THC-Gehalt: bis zu 23 %
- Wuchshöhe: max. 120 cm
- Blütezeit: 9–11 Wochen
- Aroma: Kirsche, Beere, Zitrone, Kiefer, blumig
- Wirkung: klar, zerebral, aktivierend
Woran erinnert mich das nur? Ach ja, an den ganzen Weinzirkus, nur das dies hier etwas anders daherkommt. Es geht ja auch um den Anbau mit viel Technik und einer Menge anderem Zeug.

Grundbegriffe beim Cannabisanbau
- Photoperiodisch („Photo“)
- Blüht erst, wenn die tägliche Lichtdauer kürzer wird
- Innen steuerbar: meist 18/6 im Wachstum, 12/12 zur Blüte
- Mehr Zeit zur Erholung und Formgebung; oft größere Pflanzen
- Autoflower („Auto“)
- Beginnt unabhängig von der Lichtdauer nach einigen Wochen zu blühen
- Einfacher und schneller, aber empfindlicher gegenüber Stress
- Wachstum kann sich durch Umtopfen, Beschneiden oder starke Eingriffe verzögern
- Feminisierte Samen
- Fast ausschließlich weibliche Pflanzen
- Weibliche Pflanzen bilden die begehrten Blüten
- Nicht feminisierte („reguläre“) Samen
- Männliche und weibliche Pflanzen.
- Männchen müssen erkannt und rechtzeitig entfernt werden, sonst sexen die Blümchen und es entstehen Samen
Sativa, Indica und Ruderalis
- Sativa
- Tendenziell höherer und schlankerer Wuchs, längere Blüte
- Indica
- Tendenziell kompakter und buschiger Wuchs, kürzere Blüte
- Ruderalis
- Kleine, robuste Pflanzen mit automatischer Blüte
- Grundlage der Autoflower-Sorten
- Ruderalis wächst in kälteren Regionen und ist sehr viel widerstandsfähiger. Nachteil: Geschmack und Wirkung
Warum in meiner Blue Dream keine Ruderalis sein soll, erschließt sich mir nicht. Eigentlich müsste in Autos immer Ruderalis sein, weil dieser Anteil eben fürs automatische Blühen zuständig ist.
Sativa, Indica und Ruderalis sind grobe Einordungen, weil heute fast aller Cannabiskram Kreuzungen sind. Der Anteil der Sorten beeinflusst maßgeblich unter anderem Wuchsform, Blüte- und Anpassungsverhalten. Entscheidend sind die Genetik und die Anbaubedingungen, die den Phänotyp der Pflanze und die Beschaffenheit der Ernte bestimmen.
Tja, moderne Sorten gibt das heute. Wir mussten ja früher immer unmodernes Kraut rauchen. Es war fürchterlich und ist vielleicht noch wichtig zu erwähnen, dass Cannabis irgendwie Unkraut ist. Das Zeug wächst wie Hupe da, wo es hingehört.
Klar kommen die Modernas überwiegend aus Zucht, aber es ist auch ein sehr schönes Betätigungsfeld für Gentechniker. Ob mit oder ohne Gentech – Cannabisanbau ist zu einer Wissenschaft verkommen.

Das, was Legalisierung genannt wird, war in erster Linie eine extreme Kommerzialisierung. So isse eben, die globale Welt.
Genug gelabert. Meine Erfahrung im Anbau ist noch sehr limitiert. Eigentlich habe ich nur zwei Sachen gemacht.
Zunächst habe ich drei Critical-Samen nur in ein bisschen warmen Wasser keimen lassen. Die Keimrate lag bei 75%, also drei Samen sind gekeimt. Einen hab ich mit meinen unegalen Wurstfingern beim Eintopfen versehentlich zerstört.

Der erste Sämling kam zügig und wurde sodann in Erde gepflanzt. Nach ein paar Tagen lugte er aus derselben und wächst, wie es sich gehört. Den Blue-Dream Samen habe ich später gekeimt, nachdem zwei Samen Schrott waren. Er tut auch, was man erwartet. Beide Jungpflanzen stehen in einem transparenten Eimer und werden mit einem Baustrahler belichtet, der auf diesem Eimer liegt. Drinnen ist noch ein Thermo-/Hygrometer, da man den Pflanzen ja gerecht werden möchte. Luftfeuchtigkeit bei ca.70% und Temperatur um 25°C, kann ich mit dem LED Baustrahler und ein bisschen feuchtem Krepp ganz gut regulieren. Die Pflanzen kriegen im Nordzimmer ca. 18 bis 20h Kunstlicht pro Tag und werden sehr moderat gegossen.

Wurzelbildung
Darum geht es in dieser Phase des Wachstums hauptsächlich, wenn ich alles richtig verstanden habe. Die Ausbildung von Wurzeln bedarf ausreichend Licht und einem nicht zu nassem Substrat. Einfache Leute wie ich haben das immer Erde genannt. Aber weil es so viel anderes gibt (Hydorkultur, Steinwolle, Kokos und weiß der Kuckuck) nennen die Fachleute, von denen es seit der Cannabislegalisierung nun tausende gibt, Substrat. Kommt vom lateinischen substratum – „das Daruntergelegte“ oder „Unterlage“. Kiffen ist jetzt auch ganz offiziell im Bildungsbürgertum angekommen.

Also meine Erde ist eine nicht sehr nährstoffreiche sogenannte Light-Erde, tendenziell trockener als sehr feucht. Morgens kriegen die Babies ein paar kleine Schlucke, wobei ich die eher an den Rand des Bechers gebe. Die Theorie:
Eine Pflanze, die trockener steht, ist gezwungen, ihre Fühler auszustrecken, um ausreichend mit Nährstoffen versorgt zu werden. Darum ist auch Düngung in dieser Wachstumsphase keine gute Idee, weil die Pflanze im Schlaraffenland nicht nach Nährstoffen suchen muss. Eine gute Wurzelausbildung soll für die spätere, gesunde, erwachsene Pflanze entscheidend sein. Die Argumentation ist mir sehr eingängig und es passt bislang auch alles. Zu nasse Erde oder Staunässe am Boden können zu Wurzelfäule führen.

So sieht das also bei mir nach 3 Wochen aus. Die Pflanzen messen gerade einmal knapp 5cm in der Höhe und sehen nach meinem Dafürhalten sehr gut aus. Wenn ich umtopfe, werde ich versuchen, erneut zu dokumentieren. Dann schreibe ich auch was zur Berliner Wasserqualität, zu osmotischem Wasser, Schädlingen, Dünger und was man sonst noch alles studiert haben muss, um in der Szene der Grower mitreden zu können.

Bis dahin…
PS: Die „Legalisierung“ von Cannabis scheint wieder eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Juristen zu sein. Also, wenn Du das hier auch machen willst, dann solltest Du wissen, was legal bedeutet. Und das ist im sogenannten Gesetz zum Umgang mit Konsumcannabis (Konsumcannabisgesetz – KCanG) geregelt – muhahaha. Viel Spaß bei der Lektüre.
Kein Scherz. Du stehst mit einem Bein so gut wie im Knast, wenn Du Dich auf so Sachen einlässt. Nix Vergehen, Verbrechen! Bis zu drei Jahre Bunker, wenn Du ein paar Gramm zuviel besitzt, oder für Dich mehr als 3 Pflanzen produzierst, oder oder oder. Schön dran denken: Unwissenheit schützt auch im „Rechtsstaat“ nicht vor Strafe.
PPS: Weil es gerade mal wieder passt: Seit 2018 darfst Du in Deutschland keinen Schnaps mehr selber brennen. Endlich wurde ein überfälliges Gesetz verabschiedet, das Alkoholsteuergesetz (AlkStG).
In der DDR durfte man übrigens brennen, es war halt nur ein bissl schwieriger, die Hardware für eine Destille zu beschaffen. Wie ich immer sage: Es war nicht alles gut im Osten.
Beim AlkStG gibt es zum Glück „nur“ Bußgelder, es geht um Ordnungswidrigkeiten. In meiner Welt ergibt das total Sinn für ein auf diese Art eingerichtetes Gesellschaftssystem, aber ich will und kann hier die Büchse nicht auch noch aufmachen.